Dass stille Erdulden der Anpassungsfähigkeit
- Katharina | Food Style Affairs
- 27. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. März

Es gibt Momente, in denen das Verhalten anderer irritiert, verletzt oder wütend macht. Situationen, in denen Grenzen überschritten werden, ohne dass es auf den ersten Blick für alle sichtbar ist. Stalking, Ghosting, Catcalling, anzügliche Bemerkungen – all das ist für viele keine Ausnahme, sondern eine wiederkehrende Erfahrung. Und doch kommen Kommentare wie: Nicht so ernst nehmen. Drüberstehen. Ignorieren.
Jedes Mal, wenn solche Dinge passieren, bleibt etwas zurück. Wut, weil das eigene Nein übergangen wurde. Verletzung, weil man auf eine Rolle oder ein Klischee reduziert wurde. Schock, weil es verstörend ist, was manche Menschen in andere hineininterpretieren. Verunsicherung, weil es keine klare Antwort darauf gibt, wie mit solchen Situationen umzugehen ist. Und Enttäuschung, weil Menschen, denen man vertraut hat, sich anders zeigen, als man es erwartet hätte.
Und dann beginnt das Grübeln. Hätte man es verhindern können? Hätte man sich anders verhalten müssen? Was habe ich falsch gemacht?
Doch warum fällt es so leicht, die Schuld bei sich selbst zu suchen? Warum ist es oft der erste Reflex, sich selbst zu hinterfragen, anstatt klar festzustellen: Das Verhalten dieser Person ist respektlos, und das ist nicht in Ordnung.
Vielleicht liegt es daran, dass viele von klein auf gelernt haben, unangenehme Dinge einfach hinzunehmen. Dass stilles Erdulden als Anpassungsfähigkeit, als Stärke oder gar als Pflicht angesehen wird. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem sich das nicht mehr richtig anfühlt. Ein Punkt, an dem die Frage laut wird: Warum ist das so? Und wie sollte es eigentlich sein?
Denn darum geht es letztlich: Wie wollen wir behandelt werden? Und was bedeutet das für den Umgang miteinander?
Jede*r möchte ernst genommen werden. Alle wünschen sich Respekt, sei es im Gespräch, in der Aufmerksamkeit füreinander oder im Umgang mit Grenzen. Doch das setzt voraus, dass dieser Respekt nicht nur eingefordert, sondern auch gegeben wird.
Es bedeutet, sich selbst zu fragen: Sehe ich die Menschen in meinem Umfeld wirklich, als das, was sie sind – als Individuen mit Gedanken, Gefühlen und persönlichen Grenzen? Oder projiziere ich Erwartungen auf sie, die nur in meinem Kopf existieren?
Diese Reflexion ist unbequem. Sie erfordert, sich selbst infrage zu stellen. Und sie ist notwendig.
Anstatt sich damit aufzuhalten, warum manche Menschen sich respektlos verhalten, lohnt es sich, den Fokus zu verschieben: Wie wollen wir eigentlich behandelt werden?
Diese Frage kann vieles verändern. Sie hilft, Grenzen bewusster zu setzen. Sie macht klar, dass Respekt keine Verhandlungssache ist. Und sie zeigt, dass es in Ordnung ist, sich von Menschen zu distanzieren, die diese Grenzen nicht respektieren.
Vielleicht gibt es darauf keine endgültige Antwort. Aber eines steht fest: Respekt sollte keine Frage des persönlichen Ermessens sein. Grenzen sollten nicht erst dann akzeptiert werden, wenn sie erklärt werden oder laut und unmissverständlich eingefordert werden müssen.
Am Ende geht es darum, bewusst hinzusehen – bei anderen und bei sich selbst. Darum, sich nicht mit dem Gedanken abzufinden, dass gewisse Dinge „ebenso sind“. Und darum, den eigenen Wert nicht davon abhängig zu machen, ob andere ihn erkennen.
Es ist nicht immer einfach, für sich selbst einzustehen. Und es ist so verdammt wichtig!
So ein wichtiges Thema und wie oft tappst man in diese Falle . Grossartig