Nein ist das neue Ja
- Katharina | Food Style Affairs
- 12. Juli 2024
- 2 Min. Lesezeit

Ja, Mensch darf auch mal Nein sagen.
Ja, Ja, Nein zu sagen ist gar nicht so einfach. Ja, Ja, Nein, ist in unserer Kultur nicht wirklich verankert. Und Ja, Ja, mit Nein fallen wir sehr schnell aus dem Rahmen und es wird als negativ bewertet.
Nein, ich möchte an Weihnachten nicht kommen. Nein, ich möchte dieses Projekt nicht auch noch übernehmen. Nein, da muss ich dir Wiedersprechen. Nein, ich brauche das nicht weiter zu begründen. Nein, so möchte ich nicht weitermachen. Nein, ich kann das nicht. Nein, ich will das nicht.
Wir können alles, wollen alles, finden alles super und wenn wir gefragt werden, wie es uns geht kommt ein lächelndes „Alles gut“. Interessant wird es, wenn wir anfangen uns zu fragen, was wir tatsächlich können, wirklich wollen und eigentlich gut und super finden. Nein impliziert genau das: Ich habe die Situation hinterfragt, reflektiert und gebe dem anderen ein ehrliches Feedback. Damit Differenzieren wir uns von unserem Umfeld und werden autonom.
Nein-Sagen wirft Fragen auf und spiegelt dem Gegenüber eine Grenze. Der Nein-Sager vermittelt, dass er weiß, was er will und für sich einsteht. Viele Abläufe, vor allem in einem möglichst reibungslosen Miteinander (Familie, Arbeit, Verein) basieren bestenfalls auf vielen unreflektierten Ja’s. Ganze Systeme können gefährlich ins Wanken geraten, wenn ein Schaf in der Herde (meistens ist es das schwarze) es wagt „Nein“ zu sagen.
Nein, das ist deine Betrachtungsweise, deine Entscheidung, ich habe eine andere Einstellung dazu. Nein, das ist vielleicht für dich gut und richtig, für mich nicht. Nein, du hast das sicherlich gut gemeint, dennoch möchte ich es nicht, denn ich bin anders als du.
Nein ist ungemütlich. Nein ist eine Stellungnahme, die viele nicht hören möchten, weil es möglichst nach ihren Vorstellungen weiterlaufen soll. Und weil es auch eine indirekte Aufforderung an sein Gegenüber ist, diese Ansicht zu überdenken.
Ja, ja sagen wir oft, um zu gefallen und mit einem aufrichtigen Nein beginnt eine Veränderung in der Einstellung zu uns selbst. Und Nein, Nein ist keine Verweigerung gegenüber den Gegebenheiten, es ist eher das umgekehrte Ja zu seiner eigenen Person. Ja, ich respektiere mich. Ja, ich nehme mich wahr. Ja, ich erkenne mich an. Ja, ich stehe für mich und meine Bedürfnisse ein. Ja, ich bin auch wer. Ja, ich habe auch eine Meinung. Ja, ich weiß, was ich kann. Ja, ich bin es Wert. Ja, ich darf auch Nein sagen.
Wunderbarer Text. Das ist so wichtig, seine eigenen Grenzen kennenzulernen und zu beachten. Auszuhalten das- , ach komm, gib dir nen Ruck- muss auch gelernt werden.
Glaube ja fest daran, daß die richtigen Menschen bleiben, die , die ein Nein als normal betrachten .
Super toller Text!! Bei mir gab's früher so gut wie kein Nein. "Ach komm gib her,das schaff ich auch noch". Es war immer alles gut...es war eine Recht schmerzhafte, langwierige Geschichte zu lernen wie wichtig dieses Wort 'Nein' ist und einem bewusst wird,das man trotzdem noch gemocht wird oder sogar (noch mehr) respektiert wird!!! Oft ertappe ich mich immer noch bei einem vielleicht unnötigen Ja, aber mittlerweile kann ich das echt gut korrigieren.
Starker Text, in dem ich mich auch selbst wieder finde. Aus einem Elternhaus stammend, in dem ein „Nein“ schlicht und ergreifend nicht akzeptiert wurde, fällt es mir als Erwachsener immernoch schwer mich in manchen Situationen durchzusetzen. So halse ich mich zu viel Mist auf, den ich garnicht erledigen will, und dementsprechend ist dann die Qualität des Ergebnisses. Am Ende ist keiner so wirklich zufrieden. Die Alternative ist, dass sich mein Gegenüber ärgert, weil ich seinen Wunsch nicht erfüllen will. Klassische lose-lose-Situation. Bei unseren Kindern wollen wir das anders machen, und sie dürfen natürlich nein sagen, wenn sie etwas nicht möchten. Dann klären wir die Situation und besprechen alles. Und das nervt wie die Sau 😅
Für alle sollte ein Nein auch ein Nein sein dürfen, ohne sich dafür zu rechtfertigen! Genau, wie bei nem klaren Ja! Ja 👍🏼